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Detailangaben

Montag, 18.12.2017, 21:18 Uhr

Durch den Parque Nacional Puyehue

Angaben zur gewählten Tour:

Kategorie: Trekkingtour
Land: Chile
Gebiet: Patagonien
Streckenlänge: 40 km
Dauer: 3 Tage


Als Grundlage für die Tour diente die Beschreibung aus dem Buch "Abenteuer Trekking - Patagonien und Feuerland" von Brunner und Gantzhorn. Ich habe diese Beschreibung ergänzt und angepaßt.

Der etwa 100 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Osorno gelegene Puyehue-Nationalpark empfängt den Wanderer in den Niederungen mit einer dichten Vegetationsdecke. Darüber erstrecken sich die weiten, kargen, scheinbar lebensfeindlichen Landschaften der Vulkane Casablanca und Puyehue. Diese Tour durchquert den Parque Nacional Puyehue von den Naturwäldern von Anticura bis zu den Geysiren im Gebiet des Cordon Caulle. Höhepunkt dieser Tour ist der phantastische Ausblick vom Gipfel des Puyehues auf sieben Vulkane des Seengebiets, die sich in einem Umkreis von 150 Kilometern erheben. Die Rückkehr erfolgt über denselben guten Pfad; alternativ ist der Abstieg durch das idyllische Tal des Rio Nilahue bis nach Rihinahue am Lago Ranco möglich. Für diese Tour sollte man inklusive der Besteigung des Vulkans Puyehue mindestens 4 bis 5 Tage einplanen. Die Hacienda El Caulle, die den Weg pflegt und dafür Eintritt verlangt, bietet Packpferde und auch geführte Reittouren an.


Kurzcharakteristik:

Eindrucksvolles Trekking in absolut faszinierender Vulkanlandschaft, entlang erstarrter Lavaströme, dampfender Fumarolen und brodelnden Geysire.
Badefreuden in den heißen Quellen von Los Banos. Möglichkeit zur Besteigung des 2236 Meter hohen Vulkans Puyehue, Traumhafte Ausblicke auf die Vulkane des Seengebiets. Auf- und Abstieg durch dichten Regenwatd.


Aufstieg zum Refuqio Puyehue

Vor dem Start der Tour sollte man der CONAF-Guarderia von Anticura einen Besuch abstatten. Hier erhält man aktuelle Informationen zum Wanderweg und über den Nationalpark. Bei uns war die Bude zu. Auf der anderen Straßenseite liegt ein sehr idyllischer CONAF-Zeltplatz (Ch$4000 pro Zelt), wo der kurze, sehr empfehlenswerte Naturlehrpfad zum Salto del Indio beginnt. Von der Guarderia folgt man der Hauptstraße für zwei Kilometer in Richtung Osten zum Fundo »EI Caulle«. Der Eingang zur Hacienda ist mit einem großen Schild ausgewiesen. Beim Kiosk muß man sodann den Eintritt bezahlen und sich in das Gästebuch eintragen. Der Eintritt ist mit Ch$7000 absolut unverhältnismäßig hoch. Da es sich wahrscheinlich teilweise um privates Farmland handelt, werden damit sicherlich diverse Einbußen (?) abgedeckt.
Da es bis zum Refugio nur sehr wenig Wasser gibt und der Aufstieg lang und steil ist, sollte man hier unbedingt noch möglichst viel Wasser tanken. Ein Feldweg führt nun über das private Gelän-de der Hacienda. Nach wenigen Minuten gelangen wir zu einem Hinweisschild »Sendero Miradores«. Wir folgen diesem Weg und ge-langen zu einem Farmhaus. Der Weg führt nach links auf ein Plateau hinauf, das als Weideland genutzt wird. Man überquert das offene Plateau zum Waldrand. Jetzt beginnt der eigentliche Aufstieg. In Serpentinen führt der Weg steil durch den schattigen, dichten Wald. Bis etwa 600 Meter durchwandert man den artenreichsten Regenwald Chiles mit zahl-reichen Baumarten wie Tepa, Coihue, Manio, Uimo, Tineo, Arrayän und Olivillo sowie einen Unterwuchs aus Chiico-, Matico-, Quila- und Aromo-Büschen. Ungefähr ab 600 Meter setzt sich der Wald vorwiegend aus Tepa- und Manio-Bäumen zusammen. Trotz des dichten, schattigen Waldes ist der steile Aufstieg schweißtreibend. Nach 1 V; bis 2 Stunden lich-tet sich der Wald ein wenig und man gelangt zu einem gewöhnlich ausgetrockneten, steinigen Bachbrett. Wer hier eine Pause einlegt, vernimmt das Geräusch von fließendem Was-ser. Und tatsächlich, folgt man dem ausge-trockneten Bett 10 bis 15 Meter nach oben, entdeckt man ein kleines Rinnsal, wo man fri-sches Wasser schöpfen kann.
Der Weg führt weiter steil ansteigend durch den Wald und dann hinüber in einen Taleinschnitt. Hier setzt sich der steile Anstieg über einen tief ausgetretenen Pfad fort. Am Ende des Einschnitts beginnt ein schöner Lenga-Wald, durch den man einige Minuten aufsteigt. Bald erreicht man den Waldrand. Nach yh bis 4 Stunden Aufstieg quert man durch hohe Wiesen hinüber zum Refugio Puyehue. Das einfache Refugio kann bei sehr schlechtem Wetter als Notunterkunft genutzt werden. Die sehr schönen Zeltplätze hier am Waldrand, sind jedoch dem Refugio vorzuziehen.
Bei der Hütte gibt es kein Wasser, doch etwa 45 Minuten oberhalb in Richtung Los Banos findet man einen Fluß mit sehr sehr trüben Wasser. 15 min weiter kommt dann ordentliches Wasser. Der Rückweg geht allerdings bergab. Dem im Buch erwähnten ausgetrockneten Bachbett lies sich kein kleines Rinnsal entlocken. Von der Hütte sollte man unbedingt zu einem nahen Aussichtspunkt oberhalb des Tales steigen. Das Panorama ist traumhaft. Im Süden erheben sich von links nach rechts die Vulkane Tronador, Casablanca, Puntiagudo und Osorno. Abends versinkt der Feuerball der Sonne hinter dem friedlich daliegenden Lago Puyehue. Ein wahres Schauspiel für Genießer!


Eindrucksvolle Vulkanlandschaft auf dem Weg nach Los Banos

Vom Refugio führt der Pfad weiter in Richtung Vulkan. Man umgeht die von der Erosion tief eingeschnittenen Rinnen und steigt so etwa 20 bis 30 Minuten aufwärts und quert dann nach links in die Hänge des Puyehue, wo man bald auf die ausgeschilderte Abzweigung zum Krater des Vulkans trifft. Bevor man den steilen Vulkan erklimmt, sollte man jedoch noch ein Stück weiter zum Bach gehen und die Wasservorräte auffüllen. Der Aufstieg zum Krater führt durch lose Vulkanasche steil nach oben. Zwei Schritte vorwärts und einen zurück! Für den anstrengenden Aufstieg benötigt man etwa 2 Stunden, hinunter geht es dann wesentlich schneller. Doch der sagenhafte Ausblick vom Kraterrand lohnt die Mühe. Neben den vier Vulkanen im Süden, sind bei gutem Wetter im Norden noch der Villarica, der Choshuenco und der Lanin sicht-bar. Eindrucksvoll ist auch der riesige, zum Teil mit Schnee gefüllte Krater. Der im "Lonely Planet" angegebene kurze Aufstieg etwas weiter hinten war nicht zu finden. Wahrscheinlich eht es irgendwo direkt den Berg hoch. Wir waren übrigens nicht auf dem Krater, da die Wolken zu tief hingen.
Von der Abzweigung wandert man weiter an den Hängen des Vulkans entlang. Nach einem ersten Bach, dessen Wasser jedoch oft viele Sedimente mit sich führt, steigt der Pfad wieder etwas an. Ein zweiter Bach wenig später spendet auch im Sommer herrlich klares Schmelzwasser (das sind die beiden bereits genannten Bäche). Jetzt steigt man bis fast auf 1800 Meter hinauf und quert dann für etwa eine Stunde die Westhänge des Vulkans. Von hier hat man einen guten Ausblick auf den Cordon Caulle, die aktivste Vulkanzone des Nationalparks. Erst 1960 wurde hier der letzte Ausbruch registriert. Vor allem die pechschwarzen Lavaflußbetten heben sich von den Erdtönen der Umgebung ab. Der Puyehue dagegen schläft schon seit Tausenden von Jahren ohne größere Anzeichen einer Vulkanaktivität. Der Pfad führt bald hinunter auf ein weites Plateau, über dessen schier unendliche Ebene man 350 Höhenmeter absteigt. Bald erreicht man ein tief ausgewaschenes, jedoch meist trockenes Bachbett am rechten Rand des Plateaus. Nach einigen Metern sprudelt es aus dem porösen Lavagestein heraus. Herrlich frisches Wasser inmitten einer trockenen, kargen Wüstenlandschaft! Bald begrenzt auch zur Linken ein Bach das Plateau. Man gelangt zu einem Markierungspfahl und steigt eine "Seramis-Düne" hinunter. Rechts am Hang sieht man einige dampfende Fumarolen und die typischen gelben Schwefelablagerungen. Man gelangt nun hinunter zum linken Bach, den man überquert. Kurz darauf überquert man auch einen kleinen Seitenarm, auf dem kleine Bimssteine schwimmen. Wenige Minuten später hat man die Einmündung in den Rio Nilahue erreicht (Los Banos, 3-4 Std.). Hier an der Biegung des Flusses entspringen heiße Quellen. Das Wasser ist jedoch nicht sehr tief und es gibt viele Algen. Nach einer anstrengenden, staubigen Wanderung hält dies jedoch nicht von einem schönen Bad ab. Am Fluß gibt es genügend Platz für Zelte, leider ohne jeglichen Schatten.


Zu den Geysiren

Etwa 2 bis 2,5 Stunden von Los Banos entfernt liegen kochende Schlammpools und zischende Dampffontänen. Der Weg dorthin führt durch eine interessante Wüstenlandschaft mit erstarrten Lavaströmen, versteckten Quellen und einem glasklaren, eisigkalten Fluß. Von Los Banos folgt ein Pfad dem Bach flußaufwärts zu einem Hinweisschild zu den Geysiren. Der Weg führt durch eine extrem karge Gegend. Links in Richtung Cordön Gaulle erblickt man gewaltige Lavaflußbetten, am Morro Los Banos schießen einige Dampffontänen in die Höhe. Am gegenüberliegenden Hang lassen sich noch die Überreste eines Waldes erkennen. Doch der letzte Ausbruch hat nur tote Baumstämme hinterlassen. Man wandert um Erosionseinschnitte herum und gelangt bald wieder an den Bach. Da er hier sehr breit und nicht tief ist, läßt er sich gut durchwaten. Dabei sollte man sich beeilen, denn das Wasser ist eiskalt. Folgt man dem Bach 100 Meter aufwärts, gelangt man an seine Quelle. Unmengen von kristallklarem Wasser schießen direkt aus dem Berg heraus! Inmitten einer fast vegetationslosen Landschaft ist dies ein wahrlich beeindruckendes Phänomen.
Der Pfad führt nun in ein kleines Tal hinein. Man folgt einem ausgetrockneten Bachbett und steigt am Ende des Tales über einen Kamm empor. Dieser führt über einen Sattel hinunter in eine große, flache Ebene (1 -1,5 Std.). Während der Schneeschmelze im Frühjahr und nach starken Regenfällen kann sich hier ein See bilden. Da er meist aus-getrocknet ist, wandert man gerade hinüber auf eine weitere Hügelkette zu. Am Ende der Ebene steigt man wieder steil einen Kamm hinauf. Dann führt der Pfad in weitem Bogen um einen Taleinschnitt herum. Nach wenigen Minuten kann man in der Ferne bereits die Dampffontänen von Los Geysires erkennen. Links davon erblickt man am Horizont den Vulkankegel des Villaricas und geradeaus den mächtigen Lanin. Bald hat man das Geysirfeld erreicht. Aus zahlreichen Löchern schießen Dampffontänen in den herrlich blauen Himmel. Der typische Schwefelgestank wabert durch die Luft. Vorsicht beim Erkunden des Geländes! Der Boden ist sehr instabil und man kann leicht einbrechen. An einigen Stellen kann man das kochende Wasser und die Schlammpools erkennen. Für den Rückweg benötigt man etwa 1,5 bis 2 Stunden.


Der Weiterweg

Wer mit dem eigenen Auto angereist ist, wird sicherlich über den gleichen Weg zur Hadenda El Gaulle zurückkehren. Von Los Banos kann man in 6 bis 7 Stunden wieder im Tal sein. Ist man jedoch ungebunden, kann man statt dessen auch durch das Tal des Rio Nilahue absteigen. Dieses Tal, in dem vereinzelte kleine Bauernhäuser liegen, ist noch sehr ursprünglich. Ochsenkarren und Pferde bestimmen das tägliche Geschehen, Autos sind noch selten. Ab Rininahue hat man mit dem Bus wieder Anschluß an die Zivilisation. Da es im Mittelabschnitt durch dichten Wald geht, kann der Weg stellenweise stark überwachsen sein. Ein guter Orientierungssinn ist daher sehr hilfreich. Schon nach etwa 10 Kilometern trifft man zwischen den Flüssen Nilahue und Contrafuerte wieder auf einen guten Fahrweg.
Von Los Banos folgt man dem Weg wieder durch hügeliges Dünengelände zurück. Nach Überqueren der beiden kleinen Bäche steigt man die steile Düne hinauf zu einem Markierungspfahl bei den Fumarolen, die man nach 30 Minuten erreicht. Hier beginnt die Route in das Tal des Rio Nilahue. Von diesem Pfahl kann man in einiger Entfernung bereits weitere Pfeiler erkennen, die über einen Kamm hinunter führen. Man steigt nun hoch über dem rechten Seitenarm des Rio Nilahue durch Buschwerk ins Tal. Nach 30 bis 45 Minuten fällt der Pfad steil ab, um den rechten Arm zu überqueren. Auf der anderen Seite steigt man wieder ein Stück hinauf und gelangt dann bald in den Wald hinein. Der Pfad ist stellenweise stark überwachsen. Man sollte sich auf dem breiten Grat halten, der den Rio Nilahue und den Rio Contrafuerte voneinander trennt. Nach 2 bis 3 Stunden kann es nötig sein, den Rio Contrafuerte nach rechts zu überqueren, um gleich darauf wieder an sein linkes Ufer zurückzukehren. Man folgt nun einem Pfad oberhalb einer tiefen Schlucht des Rio Contra-fuerte. Nach einer Weile verflacht das Tal und nach nochmals 2 bis 3 Stunden müßte man die Straße erreichen. Die Gehzeit ist hier stark abhängig von der Beschaffenheit des Weges innerhalb der dichten immergrünen Vegetation.
Die Straße liegt zwischen beiden Flüssen und ist daher nicht zu verfehlen. Nach einiger Zeit führt die Straße zu einem verschlossenen Holzgatter bei einer Farm und von hier weiter über offenes Weideland. Wenige Minuten später gelangt man zur Brücke über den Rio Nilahue. Entlang des Weges findet man zahl-reiche schöne Zeltmöalichkeiten.
Nach Rininahue und an den Logo Ranco
Zum Abschluß steht eine 27 Kilometer lange, aber sehr einfache Wanderung auf der wenig befahrenen und ungeteerten Straße bevor. Von der Brücke führt die Straße ein letztes Mal auf einen Hügel hinauf und nochmals an einem Bauernhaus vorbei. Bald führt sie wie-der näher an den Rio Nilahue heran und man überquert nach 1,5 bis 2 Stunden die große Brücke über den Rio Los Venados. Nur 1 bis 2 Kilometer östlich liegt der kleine Vulkan Carrän, der 1955 seinen letzten Ausbruch hatte. Man wandert nun über idyllisches Weide-land und passiert dabei kleine Farmen. Schwere Lasten transportieren die Bauern noch mit Ochsenkarren und vielleicht ergattert man ja eine Mitfahrgelegenheit. Je weiter man in das Tal hinunterkommt, desto bewohnter ist es. Etwa 3 Kilometer von der Los-Venados-Brücke führt die Straße oberhalb der friedlich dalie-genden Laguna Pocura entlang. Nach etwa 5 Stunden erreicht man eine Wegkreuzung, an der ein kleiner Kiosk steht. Der linke Weg führt nach 7 Kilometern zur Ortschaft Rininahue.
Der Weg ist auf jeden Fall nicht sehr begangen, so daß gutes Orientierungsvermögen gefragt ist. Wir wollten uns das nicht antun und sind in einem Ritt wieder ins Tal zu El Calle.


Bemerkung zu den Fotos:

Die Qualität ist leider nicht die beste, da es sich bei den Vorlagen um Dias handelt.


Lago Puyehue

Landkarte
Verfasser: Uwe Neumann
Datum des Eintrages: 25.02.2002
Datum der Begehung: 08.02.2002

Bilder und Fotos zur gewählten Tour:

alle Fotos in der Miniaturansicht
Blick auf Puerto Montt
verirrter Wanderer
trotz Wüste gib es Leben
Ziel erreicht: El Bano (warmes Bad ständig möglich)
im Hintergrund der Vulkan Puyehue
hier geht´s lang
Rübezahl in Patagonien
Eingang zum Nationalpark (Straße nach Bariloche/Argentinien)
Blick zum Vulkan Osorno über den Lago Laquihue
Lago Puyehue
Vulkan Puyehue
Übersichtskarte über den gesamten Park
alle Fotos hintereinander

Meinungen und Hinweise zur gewählten Tour:

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(c) 09.09.2001, Uwe Neumann